Im Juni 2026 fand in Ahmedabad (Indien) die erste “World Yogasana Sport Championship” statt. 522 Athlet:innen aus 79 Ländern wetteiferten um Titel in den Kategorien Rückbeugen, Drehungen, Balancen und vielen mehr. Es ist beeindruckend, keine Frage. Aber das ist Turnen – und hat mit Yoga nullkommanull gar nichts zu tun.
Inhalt
Was Yoga ist – laut Quellentexten
Wenn wir verstehen wollen, was Yoga ist, müssen wir dorthin gehen, wo es herkommt. Zu den Quellentexten. Und die sprechen eine sehr klare Sprache.
Patañjali: Sitzen, that’s it.
Patañjali, dem die rund 2000 Jahre alten Yoga Sutras zugeschrieben werden, beginnt mit einer Definition: “Yogas chitta vritti nirodha. – Yoga ist das Zur-Ruhe-Bringen der Gedankenwellen.” (YS 1.2) Nicht: das Maximieren der Rückbeuge. Nicht: der schönste Handstand. Nicht: die coolste Gruppen-Performance. Sondern: Das Zur-Ruhe-Bringen des Geistes. Sein Ziel beschreibt er im nächsten Sutra: “Tada drashtuh svarupe avasthanam. – Dann ruht der Seher in seiner wahren Natur.” (YS 1.3) Ankunft im Inneren. Nicht Sieg auf dem Podest.
Den Asanas selbst, also den Körperpositionen, widmet Patañjali übrigens genau eines der rund 200 Sutras: “Sthira sukham asanam – Der Sitz soll fest und angenehm sein.” Das ist alles. Kein Hinweis auf verrückte Kunststücke, sondern Sitzen ist das Thema. Asanas sind in Patañjalis Logik auch nur eines von acht Elementen des Yoga. Dazu gehören Atemarbeit, Meditation, yogische Ethik, der Rückzug der Sinne, und die tiefe Versenkung. Die Körperpositionen sind ein Schritt auf dem Weg – Vorbereitung für das, was danach kommt: Stille. Bewusstsein. Das Selbst.
Vom Gleichmut, dem Selbst und der Harmonie
Nun sind Patañjalis Yoga Sutras weder der älteste noch der einzige Quellentext des Yoga, auch wenn das heute gelegentlich so dargestellt wird. Wer Yoga ergründen möchte, muss u.a. auch in die Upanischaden, die Bhagavad Gita und das Hatha Yoga Pradipika einen Blick werfen.
Upanischaden: Geist & Sinne beherrschen.
Es würde hier den Rahmen sprengen, aus allen Upanischaden die Definition von Yoga herauszufiltern. Deshalb beschränke ich mich auf die Katha Upanischade, eine der ältesten Upanischaden. Hier findet sich eine im weitesten Sinne ähnliche Idee wie bei Patañjali: Da heisst es, dass Yoga bedeutet, die Sinne und den Geist beherrschen zu können. Eben die “Gedankenwellen”, wie Patañjali das nannte. Sinne kontrollieren, Wünsche gehen lassen… all das lässt sich nicht erturnen.
Bhagavad Gita: Gleichmut ist Yoga.
Auch in der Bhagavad Gita finden sich Verse, die sagen, was Yoga ist. Einer der berühmtesten ist wohl 2.48: “Samatvam yoga uchyate – Gleichmut ist Yoga.” Auch hier geht es um den Geist; nicht den Körper. Gleichmut hat nichts damit zu tun, möglichst viele Punkte abzuräumen. Und das sagt bereits der vorangehende Vers: Handle niemals der Früchte deines Handelns wegen.
Hatha Yoga Pradipika: Der Körper als Mittel zum Zweck.
Das Hatha Yoga Pradipika wurde etwa im 15. Jahrhundert publiziert und ist damit deutlich jünger als die Yoga Sutras, die Upanischaden und die Bhagavad Gita. Vor allem befasst sich dieser Text mit den körperbasierten Yoga-Praktiken. Aber das Interessante daran ist, dass auch er damit beginnt, dass es nicht um den Körper geht. Hatha Yoga wird einzig und allein gelehrt, um den Geist zu meistern. Der Körper ist Mittel, nicht Zweck. Der Autor Svātmārāma nennt Hatha Yoga eine Treppe – für jene, die zum Yoga des Geistes hinaufsteigen möchten, mit dem Ziel der vollständigen Versenkung. Selbst der körperorientierteste Quellentext lässt damit keinen Zweifel: Der Körper dient dem Inneren. Nie dem Podest.
Was bleibt, wenn man den Kern rausnimmt
Was die Athlet:innen in Ahmedabad gezeigt haben, verdient Respekt. Es braucht enormes Training, enormen Einsatz, echte Hingabe – wie im traditionellen Turnen. Als Turnwettkampf finde ich es in Ordnung.
Aber es ist in meinen Augen eben kein Yoga. Denn wenn man Yoga auf die Körperposition reduziert – und diese Position bewertet, vergleicht, mit Punkten versieht – dann bleibt maximal die Hülle. Die Form. Die Verpackung. Der Kern ist weg. Der Kern vom Yoga ist das Innere. Die Stille. Die Erkenntnis – oder gar Erleuchtung. Da sind sich die verschiedenen Quellentexte über die Jahrhunderte einig.
Ich halte es für eine schlechte Entwicklung, die Wörter “Yoga” und “Asana” in den Kontext von Wettkämpfen zu stellen und darüber zu diskutieren, ob Yoga 2036 olympisch werden sollte. Ich sehe die grosse Gefahr, dass der Fehler, der insbesondere im Westen gemacht wird, noch weiter zementiert wird: Yoga noch stärker auf den Körper zu reduzieren.
Was ich unterrichte
Ich habe noch nie akrobatisches Yoga unterrichtet und ich kann auch nach knapp 20 Jahren Yoga keinen Handstand. Stattdessen habe ich mich in den letzten Jahren neben der Yoga-Philosophie vermehrt dem Yin Yoga und dem Yoga Nidra zugewandt. Sie sind das krasse Gegenteil der modernen Leistungs- und Wettkampfgesellschaft.
Im Yin Yoga sinkst du passiv in eine Position – und bleibst. Lange. Nicht um besser zu werden. Nicht um tiefer zu kommen als letzte Woche. Sondern um bei dir zu sein.
Im Yoga Nidra machst du ausser Liegen und Zuhören nichts. Yoga Nidra bringt dich in einen Zustand zwischen Schlafen und Wachsein. Alles, was du tun musst, ist präsent zu sein.
Yoga ist kein Wettkampf. Yoga ist ein ganzheitlicher Weg. In meine Kurse darfst du kommen, wie du bist – ohne Handstand oder Verrenkung.
Wenn du spüren willst, wie sich Yoga ohne Leistungsanspruch anfühlt: Ich habe eine geführte Yoga Nidra Aufnahme für dich aufgenommen. Liegen, zuhören, da sein – mehr brauchst du nicht. 20 Minuten, für 0 CHF. Hol dir jetzt deine Yoga Nidra Aufnahme!
Hi, ich bin Katharina!
Schön, dass du den Weg auf meinen Blog gefunden hast. Ich bin Yogalehrerin und unterrichte Yoga mit Tiefgang – alltagstauglich und fundiert. Keine fancy Verrenkungen an hippen Stränden – bei mir erwartet dich Yoga, mit dem du zur Ruhe kommst. Ich habe eine vierjährige Ausbildung beim Schweizer Yogaverband, bin Krankenkassen-anerkannt und unterrichte seit 2017 – mit spezifischen Ausbildungen in Yin Yoga und Yoga Nidra. Wenn ich nicht auf der Matte bin, mache ich Musik oder schwimme.
Hol dir dein Yoga Nidra zum Download – für 0 CHF!
«In der Stille ankommen» – eine geführte Yoga Nidra Aufnahme auf Deutsch (ca. 20 Minuten). Einfach hinlegen, zuhören, loslassen. Keine Vorkenntnisse nötig.
- Yoga Nidra Aufnahme auf Deutsch zum Download
- Alles, was du tun musst, ist zuzuhören.
- Für tiefe Entspannung, die bleibt.